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Diskussionsforum des Freundeskreis für Archäologie in Niedersachsen e.V.

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Alternative Google Earth


 
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Ist Google Earth zur Unterstützung der Luftbildarchäologie geeignet?
Unbedingt
66%
 66%  [ 2 ]
Teilweise
33%
 33%  [ 1 ]
Ungeeignet
0%
 0%  [ 0 ]
Ich kenne das Programm noch nicht
0%
 0%  [ 0 ]
Stimmen insgesamt : 3

Autor Nachricht
Guenther
Site Admin


Anmeldungsdatum: 15.12.2006
Beiträge: 27
Wohnort: Isernhagen

germany.gif
BeitragVerfasst am: 16 Dez 2006 15:26    Titel: Alternative Google Earth Antworten mit Zitat

Mit dieser Umfrage möchten wir von Ihnen wissen, ob nach Ihren Erfahrungen das Programm Google Earth zur Ergänzung bzw. Unterstützung der Luftbildarchäologie geeignet ist.
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bibamus



Anmeldungsdatum: 16.12.2006
Beiträge: 2
Wohnort: Bochum

bulgaria.gif
BeitragVerfasst am: 16 Dez 2006 23:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fand es sinnvoller, statt der einfachen Version des Klicks einmal zu "posten", wie es auf neuendhochdeutsch heißt. Das Problem bei Google Earth ist, dass es sich um Bilder handelt, die einmal aufgenommen wurden. Punkt. Der Trick bei der Luftbildarchäologie ist der, eine Stelle zu unterschiedlichen Sonnenständen zu überfliegen. Ich kann einen Acker zehn Mal fotografiert haben, und erst beim elften Überflug erkenne ich eine Struktur. Bei Google Earth kann ich Glück haben, aber das ist nicht zwingend notwendig.
Vom Standpunkt der Archäologin gesehen finde ich die Tatsache, dass es relativ unwahrscheinlich ist, bei Google Earth etwas zu finden, ziemlich sympathisch. Denn: Nicht nur ernsthaft an Geschichte interessierte Leute erkennen die Struktur, sondern auch der gemeine und in wissenschaftliche Ergebnisse nicht interessierte "Grabräuber". Zwar ist der Grabraub nicht unbedingt ein neuzeitliches Phänomen. Dennoch ist er für eine Rekontruktion unserer Vergangenheit eher kontraproduktiv. Eine aus dem Grabkontext gestohlene Münze könnte einen Datierungsansatz bieten. Vielleicht bis hin zu einer wissenschaftlichen Sensation. Durch den EIngriff wird aber nicht nur der Datierungsansatz entwendet, sondern zudem auch der Zusammenhang gestört. Wir können nicht mehr davon ausgehen, den Befund so aufzunehmen, wie er einmal in die Erde gelangte. Dadurch verliert er an Aussagekraft.

Das nächste Problem bei Google Earth ist, dass die Daten immer noch vom Pentagon freigegeben werden müssen. Das bedeutet auch eine Nachzensur der Bilder, wie etwa der fehlenden Möglichkeit, sehr große Auflösungen anzuwählen, oder einfach fehlenden Segmenten in der Kartenansicht.
Wir haben auch mit TNT Light gearbeitet, um Siedlungsumfeldanalysen zu machen. Aber auch die Karten lassen sich nur bis zu einer bestimmten Auflösung vergrößern. Dabei ist es aber von vornherein klar gewesen, weil die Daten direkt von der amerikanischen Regierung kamen. Und wir benötigten auch nicht unbedingt die Karten, weil wir mit dem Programm ja einen historischen Zustand rekonstruieren wollten.

Fazit: Google Earth ist ein nettes Spielzeug, und wenn jemand etwas sieht ist das sicher toll. Aber ein ernsthaftes Instrument für Luftbildarchäologie ist es in meinen Augen nicht. Dafür ist der Zufall einfach zu groß. Wenn ein Archäologe ein Gebiet überfliegt, macht er die Luftbilder zum Zweck der Luftbildarchäologie. Ergebnis soll ein Befund sein. Die Google-Bilder sind nicht mit dieser Intention entstanden, daher wäre das Erkennen einer Struktur ein Zufall.
Aber Zufälle gibt es ja, nicht wahr?

_________________
Liebe Grüße
Rumi

bibamus
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Guenther
Site Admin


Anmeldungsdatum: 15.12.2006
Beiträge: 27
Wohnort: Isernhagen

germany.gif
BeitragVerfasst am: 17 Dez 2006 13:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rumi,

diese Argumente sind uns auch bekannt und teilweise nachvollziehbar. Hierbei geht es aber darum, ob das Bildmaterial von Google Earth u.U. eine Ergänzung sein kann. Eine Schrägaufnahme ist durch nichts zu ersetzen. Ich habe allerdings selber über 1 Jahr beruflich Luftbilder ausgewertet und weiss, dass Bildmaterial von Google Earth durchaus dazu geeignet ist, ergänzende Informationen zu bringen.

Ich beabsichtige in den nächsten Wochen einige prägnante Fundstellen in Niedersachsen und dessen Luftbilder mit denen von Google Earth zu vergleichen. Dazu werde ich die Informationsquellen des NLD einsetzen und schauen, ob und vor allem wie häufig Übereinstimmungen und Geländemerkmale noch oder überhaupt vorhanden sind. Über das Ergebnis werde ich dann dementsprechend unterrichten.

Zum Thema mißbräuchliche Nutzung durch Grabräuber sind wir hier besonders sensibel. Deshalb werden auch keinerlei Koordinaten oder andere Anhaltspunkte zur Auffindung von Fundstellen von uns herausgegeben. Denn ein einmal entnommener Fund kann einen kompletten Grabkontext vollständig zerstören, wenn er nicht fachgerecht dokumentiert wurde.

Zur Auflösung von Google Earth Material:

Google kauft inzwischen Material von offiziellen Befliegungen in Deutschland ein, die eine sehr hohe und präzise Detaildichte besitzen. Das Märchen von den militärischen Sat-Aufnahmen gehört dort schon länger der Vergangenheit an.

Bernd Günther
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bibamus



Anmeldungsdatum: 16.12.2006
Beiträge: 2
Wohnort: Bochum

bulgaria.gif
BeitragVerfasst am: 17 Dez 2006 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Guenther

Es ist gut zu lesen, dass die Aufnahmen nicht mehr über die Tische des Pentagon gehen. Du weißt nämlich nicht,was sie dort manipulieren. Das mag eine der großen Verschwörungstheorien unter Archäologen sein, aber mit dem offiziellen Material der US-Regierung lässt sich nun einmal in manchen Fällen wenig anfangen. Das ist wie ein Navigationssystem im Auto. Bisweilen geht da gar nichts, manchmal hast Du eine Ungenauigkeit von bis zu 50 Metern drin. Das mag auf einer geraden Autobahn bei Tempo 200 wenig ausmachen, aber wenn Du es etwas genauer haben möchtest, benötigst Du ein anderes System.

Ich werde mich auch via Google Earth an einige Fundstellen begeben um zu sehen, was die Bilder in dieser Beziehung hergeben. Sicherlich wird die Überraschung sich in Grenzen halten, aber wenn sich damit arbeiten ließe, würde es manche Dinge vereinfachen. Auch ich werde dann über meine Erkenntnisse berichten.

_________________
Liebe Grüße
Rumi

bibamus
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Guenther
Site Admin


Anmeldungsdatum: 15.12.2006
Beiträge: 27
Wohnort: Isernhagen

germany.gif
BeitragVerfasst am: 17 Dez 2006 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rumi,

da es Möglichkeiten gibt, GPS-Daten direkt in Google Earth als Layer einzublenden, kann man deren Genauigkeit recht gut abschätzen. Nach meinen Erfahrungen und den bislang aufgezeichneten Daten bewegen sich die erfassten GPS-Daten und die Aufzeichnung des Layers in einem Bereich unter 5m. Das reicht zwar nicht zur genauen Fundstellenbeschreibung, aber man ist immerhin deutlich im Sichtbereich.

Das habe ich auch in meinem Bericht über GPS-Einsatz für Jedermann aufgezeigt.

Gerade bei der Problematik der Flugprospektion und anschließender Auswertung einzelner Bilder ist eine Flugdokumentation unter GPS-Erfassung enorm wichtig. Mit wenigem Aufwand kann ich dann über spezielle Programme (siehe Bericht) die gesamte Flugroute in Google Earth darstellen. Eine sinnvolle Hilfe für jeden Piloten, wenn er Aufnahmen hat, die er wegen fehlender Details bei der Positionsbestimmung nur mehr schlecht auf der Karte findet.

Der Kosten- und Geräteeinsatz hält sich bei der Technik in einem sehr günstigen Rahmen. Häufiger werden einmal Luftbilder bei uns gezeigt, bei denen der Pilot nicht mehr konkret sagen kann, auf welchem Feld diese Aufnahme gemacht wurde. Bei der Doppelbelastung Fliegen und Fotografieren nur zu verständlich.

Noch kurz eine Anmerkung zu anderen Programmen. Die unter einigen so beliebten D-SAT Aufnahmen sind tatsächlich, im Gegensatz zu Google Earth, aus freigegebenen Sat-Aufnahmen vom russischen Satelliten COSMOS. Die Qualität läßt sich aber nicht mehr mit der von Teilbereichen des Google Earth vergleichen. Vor dem Erscheinen von Google Earth habe ich Erfahrungen mit D-SAT Aufnahmen gesammelt und habe deshalb einen genauen Vergleich.

Zu zum Schluß gibt es noch ein Argument für die Auswertung von solchen Luftbildaufnahmen, wie sie Google Earth zur Verfügung stellt. Wenn ich mir die Befliegungsdichte (für archäologische Zwecke) in Niedersachsen ansehe, sind noch viele absolut weisse Flächen vorhanden. Hier kann man schon einmal im Vorfeld über die seit neustem in höherer Auflösung vorhandenen Luftbilder für den Bereich Niedersachsen eine Erstflugprospektion mit Google Earth vornehmen und bei begründeten Verdachtsmomenten dann dort eine reguläre Befliegung anstreben. Zielgerichtet kann man dann den Piloten per GPS-Daten an die zu untersuchende Fläche heranführen. Es bleibt so mehr Zeit für die eigentlichen Luftbildaufnahmen und man ist nicht mehr auf sogenannte Sichtbeobachtungen unter Flug angewiesen.

Bernd
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master thief
Gast





BeitragVerfasst am: 19 März 2007 21:10    Titel: Antworten mit Zitat

Um Anhaltspunkt zu ermittelen ist das Programm durchaus brauchbar.
Ich habe z.B. ein, am Boden nicht mehr sichtbare Tumuli, über Google Earth als Bewuchsmerkmal ausmachen können.
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